Der Musikaktivist weißt nicht, ob er Auswanderer oder Flüchtling ist. Er weißt nicht, warum er hierher gekommen ist – sein Leben zu verbessern oder vor dem Regime in seinem Lande zu fliehen. Er weißt eigentlich nicht, ob hier besser oder schlimmer ist; ob die Mauer ihn schützt oder begrenzt.
Der Musikaktivist arbeitet bei dem Staatstheater. Sein eigener Job ist Kohle von dem Vorhof in den Heizungsraum hinüberzutragen. Pro Tag muss er einen Ton hinübertragen. Er arbeitet von Tagesanbruch bis zur Dämmerung.
Am Ende jeder seinen Schichten fühlt er sich so, als ob seine Gelenke zerlegt worden sind. Demontiert. Er kehrt in seine kleine Wohnung zurück und schläft ein. Er träumt nie in seinem Schlafe.
Der Musikaktivist ist kein echter, authentischer Musiker. Er ist Projektmusiker; er ist einfach der Entwurf eines Musikers. Er ist Dilettant. Er ist nur Theoretiker. Ihm ist die Musik verboten. Von dem Polizeichef, von dem Theaterdirektor, von den Schauspielern, von den Kollegen, von der Hausherrin, von dem Staat. Daheim war ihm die Musik auch verboten.
In seiner Zeit liest der Musikaktivist ‚,Die Klavierspielerin‘‘. Da verbietet die Musik. Er denkt nach, wie schön es wäre, wenn die Musik ihn verbietet und nicht die Musik ihm verboten ist. Oder? Ist die Musik noch die selbe Musik, wenn sie jemanden verbietet? Anderseits ist der Musikaktivist nicht überzeugt, ob die Musik noch die selbe Musik ist, wenn sie nicht verboten ist. Existiert überhaupt Musik, die nicht verboten ist? Wenn ,,Ja‘‘, warum? Wieso? Wozu? Ist sie in diesem Falle dann spürbar.
Daheim hat der Musikaktivist Musik heimlich gespielt. Er hat eine Gitarre gestohlen, um Musik zu spielen. Er hat jemanden anderen der Musik beraubt, um seine eigene zu empfinden. Ist nicht geklappt. Gestohlene Musik ist keine echte Musik.
Während Spaziergang hört der Musikaktivist Musik. Zum ersten Mal seit Jahren. Er befolgt das Geräusch. Er findet die Quelle der Musik. Ein Band mit schlechten Gitarren, schlechten Trommeln, schlechten Synthesizern, schlechten Stimmen. Die Musik ist auch schlecht, aber immer noch Musik. Echte Musik. Er wundert, wieso ist das erlaubt. Die Bandmitglieder wissen nicht, worüber sie singen. Sie verstehen nicht, dass Joe seine Lady bei der der Tat ergriffen hat und sie erschossen hat. Doch spielen sie Musik. Er zeigt ihnen, wie dieses Song zu aufführen ist. Er findet Beifall. Letztendlich spielt er Musik. Zeit zu fliehen?