Elias Canetti – einige Lebensdaten

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Autor: Andrej Daniel

1905 Am 25. Juli wird Elias Canetti in der bulgarischen Donaustadt Rustschuk (heute Ruse)  als Sohn von Jacques und Mathilde Canetti  geboren. Seine Eltern sind spaniolische Juden, so wird in der Familie Ladino (Altspanisch) gesprochen. Die Stadt Rustschuk, in der man „an einem Tag sieben oder acht Sprachen hören konnte“, sein Geburtshaus sowie das große Geschäftshaus seines Großvaters, eines erfolgreichen Kaufmanns, beschreibt Elias Canetti im ersten Teil seiner Autobiographie  „Die Gerettete Zunge“.

1911 Umzug der Familie zu Verwandten nach Manchester. Canetti  lernt Englisch. Die ersten Bücher, die er liest, liest er auf Englisch.

1912 Plötzlicher Tod des Vaters Jacques Canetti im Alter von 30 Jahren.

1913 Elias Canetti lernt innerhalb von drei Monaten von seiner Mutter Deutsch, die Sprache, in der er später sein literarisches Werk verfasst. „Sie zwang mich in kürzester Zeit zu einer Leistung, die über Kräfte jedes Kindes ging, und dass es ihr gelang, hat die tiefere Natur meines Deutsch bestimmt, es war eine spät und unter unwahrscheinlichen Schmerzen eingepflanzte Muttersprache.“ Umzug nach Wien, wo er die Volksschule besucht.

1916-1921 Canetti besucht das Realgymnasium in Zürich. Die Jahre in Zürich bezeichnet Canetti als „Paradies“.

1921-1924 Umzug nach Deutschland. Gymnasium und Abitur in Frankfurt am Main. Dort erlebt Canetti die unruhige Nachkriegszeit, unter anderem die Arbeitermassendemonstrationen anlässlich der Ermordung des Außenministers Walther Rathenau hinterlassen bei ihm einen starken Eindruck. Das Erlebnis einer riesigen, bewegten Masse ist der erste Anlass, sich mit dem Phänomen der Masse zu beschäftigen, das später zum wichtigsten Thema seines Werks wird.

1924 Beginn eines Chemiestudiums in Wien. Daneben Besuch der Vorlesungen von Karl Kraus. Begegnung mit der Schriftstellerin Veza Taubner, die später seine Ehefrau wird.

1925 Er plant zum ersten Mal, ein Buch über die Masse zu schreiben, das ca. 35 Jahre später als „Masse und Macht“ erscheinen wird.

1927 Brand des Wiener Justiz-Palastes am 15. Juli, der für Canetti zu einem prägenden Erlebnis wird.

1929 Promotion zum Dr. phil. nat.

1932 „Hochzeit“ wird beendet.

1934 Heirat mit Veza Taubner. Die „Komödie der Eitelkeit“ wird beendet.

1935 „Die Blendung“ erscheint zum ersten Mal in Wien. Der Roman wird aber erst durch  englische und französische Übersetzungen Ende der 40er Jahre bekannt. In Deutschland gelingt sein Durchbruch erst 1963 mit seiner dritten Veröffentlichung. Diese Verzögerung seiner Anerkennung ist vor allem durch seine Exilzeit zu erklären.

1937 Die Mutter, Mathilde Canetti, stirbt in Paris.

1938/39 Emigration des Ehepaares Canetti zunächst nach Paris und von dort nach London. Die englische Staatsbürgerschaft behält er sein Leben lang.

1942 Beginn der täglichen Niederschrift von „Aufzeichnungen“.

1949 Für die französische Übersetzung der „Blendung“ bekommt Canetti den Grand Prix International Club Français du Livre.

1952 Canetti schreibt das Drama „Die Befristeten“.

1954 Reise nach Marrakesch.

1960 „Masse und Macht“ erschient in Hamburg im Claassen Verlag.

1963 Veza Canetti stirbt in London. Canetti zieht nach Zürich. Er erhält den großen Österreichischen Staatspreis.

1966 Canetti wird der Deutsche Kritikpreis verliehen.

1968 „Die Stimmen von Marrakesch“ wird veröffentlicht.

1969 „Der andere Prozess. Kafkas Briefe an Felice“ erscheint.

1971 Heirat mit Hera Buschor. Tod des Bruders Georg.

1972 Georg-Büchner-Preis. Geburt der Tochter Johanna.

1974 „Der Ohrenzeuge“ erscheint.

1976 Die Ludwig-Maximilians-Universität München verleiht Canetti die Ehrendoktorwürde. Er hält die Rede „Der Beruf des Dichters“.

1977 Gottfried-Keller-Preis. „Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend “, Teil I seiner Autobiographie, erscheint.

1980 Johann-Peter-Hebel-Preis.  „Die Fackel im Ohr“, Teil II seiner Autobiographie, erscheint.

1981 Franz-Kafka-Preis. Nobelpreis für Literatur.

1985 „Das Augenspiel“, Teil III seiner Autobiographie, erscheint.

1988 Tod Hera Canettis, seiner zweiten Ehefrau.

1992 „Die Fliegenpein. Aufzeichnungen“  erscheint.

1994 Elias Canetti stirbt am 14. August in Zürich.

Quellen:

Huber, Ortrun: Lebensstationen. In: Wortmasken. Texte zu Leben und Werk von Elias Canetti, Frankfurt am Main 1995, S. 13-42.

Elias Canetti –Chronik unter http://www.eliascanetti.org/75.0.html